Das Wagnis

Wir schreiben das Jahr 1525. Die Bauern in Württemberg und anderswo kämpfen in Folge von Missernten um ihr nacktes Überleben.

Während der Adel die Abgaben weiter erhöht, sichert sich der Klerus mit Hilfe von Ablassbriefen die eigene Pfründen. Es kommt zu Aufständen, die in der rückwirkenden Betrachtung später als "Bauernkriege" bezeichnet werden.

Ein einfacher Mönch namens Martin Luther initiiert mit Hilfe einiger Landesherrn die grundlegende Reformation der über die Jahrhunderte dominierenden, mittlerweile jedoch in die Krise geratenen Kirche.

Mitten in dieser unruhigen Zeit stürzt sich Georg VII aus dem Adelsgeschlecht der Freiherren von Wöllwarth in ein großes Wagnis. Im kleinen Städtchen Heubach baut er sich eine Residenz, die in der damaligen Zeit im weiten Umfeld ihresgleichen sucht. Prächtige Fensterfronten und farbige Malereien mit christlichen Motiven und Szenen aus dem Alltag an den Innenwänden. Klosetts im Haus und vier beheizte große Stuben - es werden weder Kosten noch Mühen gescheut


Heubach liegt inmitten des Herrschaftsgebietes der Adelsfamilie des Georg von Wöllwarth. Das Schloss soll in der Folgezeit als seine Residenz dienen.

Doch es kommt anders. 1579 müssen die Wöllwarths Heubach, das sie zu Beginn des 15. Jahrhunderts als Pfand erhalten hatten, endgültig an die Württemberger zurückgeben. Damit verlieren Sie die Herrschaft über die Stadt. Dennoch wohnen Mitglieder der Familie nach wie vor im Schloss und bauen es 100 Jahre nach seinem Bau sogar nochmals grundlegend um.

 

1715 stirbt mit Johann von Wessem jedoch der letzte adelige Besitzer. Seine Witwe verkauft das Gebäude 1726 samt Einrichtung zunächst an die fürstlich Württembergische Landschaft. Von dort aus geht es zunächst in bürgerlichen, dann in bäuerlichen Besitz über. Den neuen zunehmend ärmeren Bewohnern fehlt aber das Geld für den Erhalt. Sie nutzen das 2. Obergeschoß und das Dach als Lager und Heuboden, ziehen Zwischenwände und Decken ein, um die Räume überhaupt heizen und bewohnen zu können. Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts fällt das mittlerweile marode Bauwerk schließlich an die Stadt Heubach. Das Schloss ist in einem jämmerlichen Zustand und als solches nicht mehr zu erkennen. Es entbrennt ein heißer Kampf in Bürgerschaft und Gemeinderat. Soll dieses Gebäude abgerissen oder für teures Geld saniert werden ? Letztendlich entscheidet sich der Gemeinderat für eine Sanierung.

 

Erst jetzt zeigt sich, welch edler Schatz sich in diesen alten Mauern verbirgt...